{"id":1249,"date":"2021-02-05T12:18:23","date_gmt":"2021-02-05T12:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/rat-blog.at\/?p=1249"},"modified":"2023-07-06T09:50:03","modified_gmt":"2023-07-06T09:50:03","slug":"die-eintragung-als-bekenntnisgemeinschaft-ein-erfolg-der-in-osterreich-aufgewachsenen-sikhs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/?p=1249","title":{"rendered":"Die Eintragung als Bekenntnisgemeinschaft \u2013 ein Erfolg der in \u00d6sterreich aufgewachsenen Sikhs"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe.jpeg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-1258\" width=\"794\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe.jpeg 1600w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe-300x142.jpeg 300w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe-1024x483.jpeg 1024w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe-768x362.jpeg 768w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/logo_sgoe-1536x725.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 794px) 100vw, 794px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im Dezember vergangenen Jahres erlangten die \u00f6sterreichischen Sikhs den rechtlichen Status einer eingetragenen Religionsgemeinschaft. Dieser Status markiert die h\u00f6chste Stufe rechtlicher Anerkennung einer Religion in \u00d6sterreich und stellt einen wichtigen Meilenstein f\u00fcr die Gemeinschaft der Sikh in \u00d6sterreich dar &#8211; wie es dazu kam und was das bedeutet, schildert <strong>Areshpreet Wedech<\/strong>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Jahr 2021 beginnt f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Sikhs sehr ungewohnt: Das relativ unbekannte \u201eAustria\u201c, welches oftmals mit Australien verwechselt wird und im Schatten der \u00e4lteren und gr\u00f6\u00dferen deutschen und gro\u00dfbritannischen Sikh-Diaspora steht, ist das Ziel diverser Gl\u00fcckwunschbekundungen und der Ausgangspunkt der Neugier und Verwunderung der weltweiten Sikh-Gemeinschaft. Nicht nur hochrangige Pers\u00f6nlichkeiten der Sikh-Religion und Gesellschaft haben ihre Freude bekundet, sondern auch f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten aus den Diaspora-Gemeinschaften haben nachgefragt und um Hilfe gebeten, damit sie in ihren L\u00e4ndern ebenfalls der Sikh-Gemeinschaft einen rechtlich abgesicherten Status verleihen k\u00f6nnen. Wie haben es die Sikhs in diesem kleinen Land geschafft, eine Rechtspers\u00f6nlichkeit zu erlangen, w\u00e4hrend \u00e4lteren Sikh-Diasporagemeinschaften anderer L\u00e4nder dies nicht gelungen ist, &nbsp;ganz zu schweigen von Indien, wo den Sikhs die allgegenw\u00e4rtige Einverleibung seitens des Hinduismus wie ein Damoklesschwert vor Augen schwebt (schlie\u00dflich sind die Hindu-Nationalisten der Ansicht, dass alle religi\u00f6sen Traditionen und Religionen, die auf dem indischen Subkontinent entstanden sind, ohnedies dem Hinduismus angeh\u00f6ren und demnach Indien eine reine Hindu-Nation ist bzw. werden soll)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 23. Dezember 2020 wurden die Sikhs als staatlich eingetragene religi\u00f6se Bekenntnisgemeinschaft in \u00d6sterreich anerkannt. Ein gro\u00dfer Schritt f\u00fcr die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Religion weltweit, die insgesamt 25-27 Millionen Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger aufweist. Der Gro\u00dfteil davon lebt im indischen Bundesstaat Panjab, das im Nordwesten Indiens liegt und an Pakistan grenzt. Mit ca. 17 Millionen Sikhs stellt der Sikhismus in Indien nach dem Hinduismus, Islam und Christentum die viertgr\u00f6\u00dfte Religion dar. 1,7% der indischen Bev\u00f6lkerung sind Sikhs, w\u00e4hrend ihr Prozentsatz in der indischen Diaspora wesentlich h\u00f6her ist. Die Sikhs gelten mit ca. 850&nbsp;000 Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4ngern nicht nur als eine der gr\u00f6\u00dften und \u00e4ltesten Diasporagemeinschaften in Gro\u00dfbritannien (und als drittgr\u00f6\u00dfte <em>immigrant-community<\/em>) (vgl. Jacobsen\/Myrvold 2011, S. 1-2), sondern auch in Nordamerika. Die Sikh-Bev\u00f6lkerung in Kanada entspricht mit ca. 450&nbsp;000 Anh\u00e4nger*innen 1,4% der kanadischen Gesamtpopulation und ist damit die gr\u00f6\u00dfte Sikh-Diaspora-Gemeinschaft. Weitere zahlenm\u00e4\u00dfig bedeutsame Gemeinschaften sind in den USA (ca. 250&nbsp;000), Australien (ca. 125 000), Malaysien (ca. 100&nbsp;000) sowie in den afrikanischen L\u00e4ndern mit ca. 50 000- 100 000 Personen zu finden.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> W\u00e4hrend in Malaysien und in den afrikanischen L\u00e4ndern die Sikh-Population auf die Einwanderung w\u00e4hrend der Kolonialzeit zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, sind heutzutage beliebte Destinationen Kanada, USA, UK aber auch Australien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn auch die Zahlen der Sikhs in Zentraleuropa steigen, so ist die Situation nicht mit derer in den Commonwealth-L\u00e4ndern zu vergleichen, in denen die Sikhs in der \u00d6ffentlichkeit sichtbarer sind und auch hohe (politische) \u00c4mter besetzen. Ca. 70&nbsp;000 leben in Italien, die finanzielle Grundlage der meisten ist die Parmesan-Herstellung.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> In Deutschland leben ca. 20 000 Sikhs und in der Schweiz etwas \u00fcber 500. Bei der letzten konventionellen Volksz\u00e4hlung 2001 in \u00d6sterreich gaben ca. 3000 Personen an, Sikh zu sein. Sch\u00e4tzungen aus dem Jahr 2017 gehen von ca. 8000-10000 Sikhs aus, w\u00e4hrend die Bekenntnisgemeinschaft mitteilt, \u00f6sterreichweit ca. 20000 Mitgliederinnen und Mitglieder zu haben. Die H\u00e4lfte der \u00f6sterreichischen Sikhs lebt in Wien, w\u00e4hrend die anderen auf die Ballungszentren Linz, Salzburg, Klagenfurt und Graz verteilt sind.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Diese Verteilung zeigt sich auch an den Gurdwaras (Gebetsst\u00e4tte der Sikhs, \u201eTor zum Guru\u201c): Von den insgesamt sieben Gurdwaras finden sich drei in Wien, jeweils einen Gurdwara gibt es in Salzburg, Linz, Graz und Klagenfurt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sikhismus (<em>sikhi, sikh panth<\/em>) wurde im 15. Jahrhundert in der gegenseitigen Beeinflussung hinduistischer Traditionen wie der Bhakti-Bewegung aber auch dem Islam, vor allem dem Sufismus, von Guru Nanak im damaligen Panjab (Nordindien) begr\u00fcndet. Er wendet sich gegen das damalige religi\u00f6se Establishment und bietet den Menschen einen weiteren Weg (panth) an. <em>Sikh <\/em>bedeutet Sch\u00fcler\/in w\u00e4hrend Guru die lehrende Person ist. Von zentraler Bedeutung ist die neue Form der Religiosit\u00e4t: nicht etwa die korrekte Ausf\u00fchrung von Ritualen oder die Beachtung von Dogmen sondern die pers\u00f6nliche Verbindung und Hingabe an einen Gott steht im Zentrum. In Guru Nanaks Denken gibt es keine Differenzen zwischen den Menschen, denn alle Menschen, egal etwa ob Hindus und Muslime, sind die Gesch\u00f6pfe des einen <em>Wahegurus<\/em> (\u201eder wahre Guru\u201c) oder <em>Akal Purakhs<\/em> (\u201edas ewige Wesen), wie Gott neben vielen anderen Begriffen aus der s\u00fcdasiatischen, aber auch arabisch-persischen Welt bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sikhismus ist von einem starken Egalitarismus gepr\u00e4gt, weswegen das Kastenwesen abgelehnt und die Frauen den M\u00e4nnern gleichgestellt sind, denn unabh\u00e4ngig von Geschlecht oder Kaste sind alle Menschen vom Wesen her gleich. Alle sind erl\u00f6sungsf\u00e4hig und haben denselben Trennungsschmerz: Die Trennung der <em>atma<\/em> (Selbst) von <em>parmathma<\/em> (<em>Akal Purakh<\/em>) und dieselbe <em>eine<\/em> Frage: Wie k\u00f6nnen sie aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ausbrechen? Wie k\u00f6nnen sie sich mit Akal Purakh wiedervereinigen und somit Erl\u00f6sung (mukti) erlangen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten kann nur in der Gesellschaft stehend und f\u00fcr sich und andere Verantwortung \u00fcbernehmend mit der Verehrung und kontinuierlichen Erinnerung an Waheguru und seine guten Eigenschaften (nam simran) und nur mit der Gnade (nadar) Akal Purakhs gelingen. Zentral im Sikhismus ist das Drei-S\u00e4ulen-Prinzip Guru Nanaks: Erstens die Mediation, zweitens das Nachgehen einer ehrlichen Arbeit und drittens das Teilen der Eink\u00fcnfte mit Hilfsbed\u00fcrftigen Des Weiteren ist ein strenger ethischer Verhaltenskodex (<em>rahit maryada<\/em>) f\u00fcr gl\u00e4ubige Sikhs obligatorisch. Werte wie harte Arbeit, Wohlt\u00e4tigkeit, Hilfsbereitschaft und der Dienst an der Menschlichkeit sind von gro\u00dfer Wichtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Akal Purakh ist das g\u00f6ttliche Wesen, das sich in der Schrift \u201eshabad\u201c manifestiert. Dieses \u201eshabad\u201c, welches auch \u201ebani\u201c oder \u201egurbani\u201c genannt wird, findet sich im Guru Granth Sahib. In der deutschen Sprache wird diese Sammlung an Texten oftmals das \u201eHeilige Buch\u201c genannt und nimmt den Stellenwert ein, den zuvor die zehn Gurus hatten, da der letzte Guru, Gobind Singh, 1708 Granth (das Heilige Buch) und Panth(die Gemeinschaft) als seine Nachfolger ernannt und damit die Nachfolge bis in alle Ewigkeit bestimmt hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guru Gobind Singh war es auch, der mit seinem Initiationsritus (\u201eamrit sanchar\u201c) den Khalsa-panth (Gemeinschaft der Reinen) begr\u00fcndete und den Sikhs ihr distinktes Erscheinungsbild schenkte. Deswegen fallen die Sikhs nicht nur in Europa, sondern auch in Indien auf, da sie aufgrund ihres \u00c4u\u00dferen erkannt werden. Die M\u00e4nner tragen Turbane und B\u00e4rte, weil es im Sikhismus verboten ist, sich die Haare zu schneiden.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Das Aussehen und damit verkn\u00fcpft, die distinkte Identit\u00e4t spielen in der Religion eine gro\u00dfe Rolle. So m\u00fcssen initiierte Sikhs die so genannten 5 Ks<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> (5 Dinge, die in Panjabi mit dem Laut \u201eK\u201c beginnen) stets bei sich tragen. Unter diesen f\u00e4llt u.a. ungeschorenes Haar und das Tragen eines Dolchs (vgl. Jhutti-Johal 2011, S. 38).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild, der Turban bei den M\u00e4nnern und die \u201ekleine\u201c Version, das \u201ePatka\u201c der Sikh-Buben, welches im Zuge des \u201eKopftuchverbots\u201c 2019 ebenfalls betroffen war, beziehungsweise seine rechtliche Wahrnehmung, ist nach dem Generalsekret\u00e4r der Sikh Glaubensgemeinschaft in \u00d6sterreich, G\u00fcrseven Singh, auch eine Art \u201eWeckruf\u201c gewesen, um einen rechtlichen Status in \u00d6sterreich zu erlangen und in weiterer Folge, pr\u00e4senter zu sein und seitens der Politik Aufmerksamkeit zu finden. Das Kopftuchverbot, welches nicht auf die Sikhs abzielte (zumal der gesamte Gesetzestext nicht auf die Sikh-Buben anwendbar ist), aber dann die Sikhs doch betraf, f\u00fchrte zu einem Schock und einer Verunsicherung in der gesamten Sikh-Gemeinschaft. Diesen Schock und diese Verunsicherung kennen die Sikhs zu gut aus Indien, wo sie als religi\u00f6se Minderheit permanent der Unterdr\u00fcckung und Benachteiligung ausgeliefert sind \u2013 aber nicht aus ihrer neuen Heimat, \u00d6sterreich. Wie sollten die Buben nun ohne ihre Kopfbedeckung in die Schule gehen? Wie sollten sie ihre langen Haare, die in Europa als ein weibliches Merkmal betrachtet werden, zusammenbinden? Das ist ein unglaublicher Einschnitt in die religi\u00f6se Glaubensaus\u00fcbung und viele Eltern haben sich schon in Horrorszenarien ausgemalt, dass die n\u00e4chsten Generationen ihre Haare schneiden und demnach dem Sikhismus g\u00e4nzlich den R\u00fccken zukehren \u2013 und sie ihre Rolle als Eltern nicht erf\u00fcllen (schlie\u00dflich obliegt es auch ihrer Verantwortung, sich der religi\u00f6sen Erziehung und Bildung ihrer Kinder anzunehmen, zumal dies auch im Verhaltenskodex, der Sikh Rehat Maryada so verankert ist). All dies und mehr bereitete \u00fcber Monate Eltern, aber auch den Kindern selbst Sorge, die sich die Frage stellten: \u201eDarf ich nun nicht mehr mit meinem Patka in die Schule?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber warum waren die Sikh-Buben von diesem neuen Gesetzesentwurf, welcher dann eingebracht, 2019 auch vom Nationalrat best\u00e4tigt und 2020 vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde, betroffen? Aus dem einfachen Grund, weil die Sikhs als Gemeinschaft <em>vergessen<\/em> wurden \u2013 und danach: mitgehangen, mitgefangen. Die Kopfbedeckung der Sikh-Buben (sowie die j\u00fcdische Kippa) wurde schlie\u00dflich mittels Ausschussfeststellung explizit von dieser neuen Regelung herausgenommen. Eine gro\u00dfe Erleichterung f\u00fcr die \u00f6sterreichische Sikh-Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den zahlreichen Gespr\u00e4chen mit Politikerinnen und Politikern aller Parteien wurde, so G\u00fcrseven Singh, immer wieder dieselbe Frage gestellt: Wieso sind die Sikhs keine eingetragene Bekenntnisgemeinschaft oder gar eine anerkannte Religionsgesellschaft? So recht hatte niemand eine Antwort auf diese Frage, zumal die Bem\u00fchungen, sich als Religionsgesellschaft anerkennen zu lassen schon seit Jahren, wenn nicht sogar zwei Jahrzehnten vorhanden waren. Schon um das Jahr 2000 liefen Gespr\u00e4che und Vorbereitungen, um den Sikhs einen rechtlichen Status zu verleihen, und angeblich, so die daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Personen, w\u00fcrde dies bald geschehen. <em>Bald<\/em> w\u00e4ren die Sikhs auch eine Bekenntnisgemeinschaft. Aber dieses <em>Bald<\/em> kam nicht so bald. Zumindest nicht bis 2019, wo die Sikh-Jugend den Beschwichtigungen des daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Vereins keinen Glauben mehr schenkte und beschlossen hatte, sich der Sache selbst anzunehmen. So schlossen sich die Sikh-Jugendlichen aller in \u00d6sterreich vorhandenen Gurdwaras zusammen und gr\u00fcndeten einen neuen religi\u00f6sen Verein \u201e\u00d6sterreichische Sikh Glaubensgemeinschaft\u201c (\u00d6SG), denn nur gemeinsam, dessen waren sie sich bewusst, konnten sie den endlosen Eintragungsprozess ihrer \u00e4lteren Generation beschleunigen (sofern nach fast 20 Jahren von Beschleunigung \u00fcberhaupt die Rede sein konnte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Repr\u00e4sentationsrecht nach au\u00dfen zu erlangen war ein intensiver Kraftakt und die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde im Prozess der Eintragung als Bekenntnisgemeinschaft. Hinzu kamen sprachliche Barrieren und die Unkenntnis der \u00f6sterreichischen Rechtslage, denn die Besch\u00e4ftigung mit letzterer begrenzte sich auf das notwendige Wissen, wie ein Verein zu leiten ist. Nebst einer intensiven Vernetzungsarbeit, hatten die Sikh-Jugendliche die schwierige Aufgabe, den Vorst\u00e4nden, aber auch den Sikhs vor Ort einerseits die rechtliche Situation in \u00d6sterreich auf Panjabi zu erkl\u00e4ren, die entworfenen Statuten ins Panjabi zu \u00fcbersetzen und andererseits um ihre Unterst\u00fctzung und ihr Vertrauen zu bitten, welches sich in einer Vollmacht manifestierte. Die sprachliche Barriere ist das eine, das andere ist eine Vertrauensfrage: Wieso sollten ausgerechnet die Jugendlichen etwas zustande bringen, woran die Erwachsenen seit Jahren gescheitert waren? Vonseiten der Vorst\u00e4nde der unterschiedlichen Gurdwaras gab es auch ein gewisses Misstrauen. Sie konnten sich nicht sicher sein, was <em>wirklich<\/em> in den Statuten geschrieben stand, welche <em>wirklichen unmittelbaren<\/em> Konsequenzen eine Eintragung als religi\u00f6se Bekenntnisgemeinschaft f\u00fcr ihren Gurdwara haben w\u00fcrde. Und wie sie, sollte sich die einmal getroffene Entscheidung sp\u00e4ter als falsch herausstellen, sie vor den Sikhs ihres Gurdwaras begr\u00fcnden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem intern lange debattiert, diskutiert und auch disputiert und viel \u00dcberzeugungsarbeit geleistet wurde, unterzeichneten nach und nach alle sieben Vereine die neue Vollmacht, mit der die Jugendlichen endlich ihre Arbeit aufnehmen konnten \u2013 und standen in dem gesamten Prozedere auch hinter ihnen. Gesagt, getan. Binnen eines Kalenderjahres und fast auf das Antragsdatum genau, wegen Covid-19 versp\u00e4tet, wurden die Sikhs in \u00d6sterreich als religi\u00f6se Bekenntnisgemeinschaft mit dem Namen \u201eSikh Glaubensgemeinschaft in \u00d6sterreich\u201c eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Scheinbar \u00fcberwog hier das Vertrauen in die j\u00fcngere Generation, in ihre Kenntnisse der \u00f6sterreichischen Rechtslage, aber auch und m\u00f6glicherweise vordergr\u00fcndig in deren Sprachkompetenz \u2013 oder auch die fehlende Argumentation, nachdem die \u00c4lteren es selbst \u00fcber Jahrzehnte nicht vollbracht hatten, ihnen diese Rechte zu erringen. Schlussendlich konnte dieses Ziel nur miteinander, unter Einbindung und mit der Unterst\u00fctzung aller in \u00d6sterreich lebenden Sikhs erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Da in vielen L\u00e4ndern, wie auch \u00d6sterreich, das Religionsbekenntnis nicht erfasst wird, werden Sch\u00e4tzungen herangezogen. Andere L\u00e4nder wie z.B. Indien bieten sehr genaue Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. GALLO, Ester: \u201cSikhs in Italy. Khalsa Identity from Mimesis to Display\u201d. In: GALLO, Ester (Hrsg.): \u201cMigration and Religion in Europe\u201d. S.185-206, S.172.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Vgl. http:\/\/medienservicestelle.at\/migration_bewegt\/2015\/04\/13\/bis-zu-10-000-sikhs-in-oesterreich\/ [Letzter Zugriff: 31.08.2018, 10:00]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Den Frauen steht es zu frei zu w\u00e4hlen, ob sie auch einen Turban binden wollen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Ungeschorenes Haar, Holzkamm, Reiterhose, Armreif aus Eisen, kleiner Dolch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bild: Logo der <a href=\"https:\/\/oesgg.com\/sikhi.html\">SG\u00d6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rat-Blog Nr. 6\/2021<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember vergangenen Jahres erlangten die \u00f6sterreichischen Sikhs den rechtlichen Status einer eingetragenen Religionsgemeinschaft. 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