{"id":4341,"date":"2025-02-19T12:58:14","date_gmt":"2025-02-19T12:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/?p=4341"},"modified":"2025-03-24T13:17:40","modified_gmt":"2025-03-24T13:17:40","slug":"die-gemeinsame-feststellung-von-porvoo-eine-transformation-der-besonderen-art-1-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/?p=4341","title":{"rendered":"Die Gemeinsame Feststellung von Porvoo: Eine Transformation der besonderen Art (1\/3)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teil 1: Die PGF und der \u00f6kumenische Kontext<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Bew\u00e4hrte Idee oder neues Konzept?<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00d6kumene, im 20. Jh. als Bem\u00fchung um die Einheit der Christen gedeutet, Joh 17,21f gem\u00e4\u00df mit dem Ziel einer jeden \u00f6kumenischen Bem\u00fchung, \u201edie Wiederherstellung der sichtbaren vollen Einheit der Getauften\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, sucht die \u201eIdentit\u00e4t, Authentizit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit des christlichen Glaubenszeugnisses in der heutigen s\u00e4kularisierten Welt\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> wiederzuerreichen und l\u00e4sst sich in Form des Porvoo Common Statement (deutsch: Porvoo Gemeinsame Feststellung [PGF]) zumindest teilweise lokal realisieren. Nach den kirchlichen Trennungs- und Abspaltungstendenzen der zur\u00fcckliegenden Jahrhunderte brachte gerade die Zeit um die am 13. Oktober 1992 verabschiedete PGF einige konfessionelle Zusammenschl\u00fcsse hervor. Die im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannte PGF gibt sich als Novum, zumal die dortigen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> bisher nicht zu den Mitgliedern z\u00e4hlen. Inwieweit die PGF auch f\u00fcr sie in Frage k\u00e4me und auf lange Sicht eine vorstellbare Option selbst f\u00fcr r\u00f6misch katholische Zusammenh\u00e4nge bieten k\u00f6nnte, gilt zu untersuchen. Dazu sollten erst die Kontexte um besagtes Dokument und die Teilnehmerkirchen in den Blick genommen werden. Der PGF-Zusammenschluss der skandinavischen und baltischen lutherischen und anglikanischen Kirchen in Europa w\u00e4re ohne intensive Vorarbeit (1989\u20131992) nicht realisierbar. Damit tragen alle Teilnehmerkirchen ihren Teil bei zum Gelingen. Das Konzept vom einen Europa (mit vertrauten Bildern wie dem \u2018Commonwealth\u2019 oder \u2018Empire\u2019 im Vergleich) zeigt ebenfalls seinen Einfluss auf Kirchenbelange, zumal Zusammenschl\u00fcsse zumindest anglikanischer Provenienz oftmals als Bestandteile staatsrechtlicher Unionen verstanden wurden. Nicht aus heiterem Himmel ergab sich die PGF als Erkl\u00e4rung von Kirchengemeinschaft, gleiche V\u00f6lkerschaftszugeh\u00f6rigkeiten, Begegnungen bis zur\u00fcck in die Wikingerzeit, die Verbundenheit als Seefahrernationen, eine teilweise gemeinsame Landesgeschichte mit dem \u201eOstseeraum [\u2026] [als] Zone fruchtbarer Austauschbeziehungen\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, gemeinsame sprachliche und kulturelle Zeugnisse, gleiche ethnische und \u00e4hnliche theologische Wurzeln seit der Reformationszeit erm\u00f6glichten es den (un)gleichen Kirchengruppen, sich trotz deutlicher Differenzen auf das B\u00fcndnis einzulassen Die Geschichte sorgte erst f\u00fcr ein Auseinanderdriften der Teilnehmerkirchen, nie zu weit, denn der Kontakt wurde immer wieder gesucht und aufrechterhalten. Neben politischen oder Glaubensgr\u00fcnden spielt gerade der etwa gleiche Entstehungszeitraum eine Rolle. Die sichtbare Kirche ist nach wie vor auch das Produkt bestimmter Epochen und Kulturkreise. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land, schlie\u00dflich ist sowohl das aufkeimende Christentum als auch \u201edie Reformation zumindest im Anfang \u00fcberwiegend eine st\u00e4dtische Sache\u201c<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, hat nicht allein religi\u00f6se sondern auch kulturelle Bedeutung \u2013 durchaus im Sinne von Kultur als einer \u2018Be-Sinnung\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201e[I]n einem wohl zu verstehenden Sinne [k\u00f6nnte gesagt werden]: Kultur ist [\u2026] Be-Sinnung, indem sie die Wirklichkeit im Einzelnen mit Sinn versieht sowie im Ganzen als m\u00f6glichen Sinn thematisierbar macht. Sie ist aber auch Besinnung als Reflexion und Meditation, die der nochmaligen und wiederholten Absch\u00e4tzung (z.B. \u00dcberpr\u00fcfung) von jeweilig vorliegendem Sinn oder Sinnanspruch dient, [sozusagen] [\u2026] Adjustierung des Sinnes. Hier taucht ein kritisches Motiv der Kultur auf, das mit ihrem Freiheitsbezug eng verkn\u00fcpft ist\u201c<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Keinerlei Revision gegenseitiger Lehrverurteilungen hinderten den Zusammenschluss (PGF 29)<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, doch bis heute bleiben Differenzen, zumindest bis in die Zeit der Unterzeichnung im Jahre 1992. Streitpunkte sind weiterhin die \u201eLiturgische Feier\u201c (PGF 59), \u201eweitere \u00f6kumenische Verpflichtung\u201c (PGF 60), auch kirchenrechtliche Fragen, wie die gemeinsame bisch\u00f6fliche Teilnahme an Ordinationen oder die Amtsmobilit\u00e4t zwischen den Kirchen und die Pr\u00e4ferenz des \u00f6kumenischen Auftrags f\u00fcr die Zukunft. Diskussionen um die Frauenordination, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder die Ehe Gleichgeschlechtlicher erschweren das Zusammengehen der lutherischen Kirchen im Norden Europas und der dort ans\u00e4ssigen anglikanischen Kirchenfamilie. Mary Tanner benennt als k\u00fcnftige Herausforderung die Entwicklung der bi- und multilateralen Dialoge.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Juhani Forsberg weist auf die Vielschichtigkeit der Aufgaben f\u00fcr die evangelischen Kirchen im sich vereinigenden Europa hin: \u201eDie Koordinierung dieser Formen ist keine leichte Aufgabe [\u2026] Besonders wichtig w\u00e4re ein st\u00e4rkeres gemeinsames Zeugnis des Evangeliums im multikulturellen und multireligi\u00f6sen Europa. Auch gemeinsames Handeln in sozialethischen Fragen wird immer wichtiger in einer Zeit, in der die Strukturen des Sozialstaats ersch\u00fcttert werden\u201c.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Trennende theologische Grunds\u00e4tze sind: Unterschiede im Sakramentsverst\u00e4ndnis, beim Abendmahl bzw. der Eucharistie, ungleiche Bewertungen der Apostolischen Sukzession und der Kontinuit\u00e4t in der Kirche, ein jeweils \u2018eigenes\u2019 Amtsverst\u00e4ndnis, unterschiedliche Amtsbezeichnungen, verschiedene Kirchenstrukturen, hierarchische und synodale Momente, unterschiedliche verbindliche Schriftst\u00fccke etc.; all diese l\u00e4ngerfristigen Hindernisse gilt es zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"284\" height=\"300\" src=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Christ_Pantocrator_Hagia_Sophia_Dianelos_Georgoudis-284x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4345\" style=\"width:348px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Christ_Pantocrator_Hagia_Sophia_Dianelos_Georgoudis-284x300.jpg 284w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Christ_Pantocrator_Hagia_Sophia_Dianelos_Georgoudis-142x150.jpg 142w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Christ_Pantocrator_Hagia_Sophia_Dianelos_Georgoudis-768x811.jpg 768w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Christ_Pantocrator_Hagia_Sophia_Dianelos_Georgoudis.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Historie und Gegenwart<\/h2>\n\n\n\n<p>Die PGF tr\u00e4gt den Namen des Ortes, an dem am Sonntag vor der Unterzeichnung der Gottesdienst mit gemeinsamem Abendmahl gefeiert wurde, womit dieser ins Zentrum der Erkl\u00e4rung r\u00fcckt. Erste \u00f6kumenische Ann\u00e4herungsgespr\u00e4che gab es zwischen der damaligen Schwedischen Staatskirche lutherischer Provenienz und der anglikanischen Kirche von England. Sie wurden \u00fcber die Jahre weitergef\u00fchrt in intensiven, bilateralen Verbindungen. Als weitere Mitglieder kamen sukzessive s\u00e4mtliche skandinavische lutherische Nachbarkirchen (<em>D\u00e4nische Volkskirche<\/em>,<em> Norwegische Kirche<\/em>,<em> Isl\u00e4ndische Staatskirche <\/em>und die <em>Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands<\/em>), die weiteren anglikanischen Kirchen der Inseln der Irischen See (<em>Church in Wales,<\/em> <em>Scottish Episcopal Church<\/em>, <em>Church of Irland<\/em>) und die drei lutherischen Kirchen im Baltikum (die <em>Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche<\/em>, die <em>Evangelisch-Lutherische Kirche in Litauen <\/em>(<em>LELB<\/em>), die <em>Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands<\/em> (ELKL) incl. der <em>Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche weltweit<\/em> (LELB\u0101L) hinzu. In pr\u00e4modernen theologischen \u2018think tanks\u2019, wie im Falle des Oxford Movement, erdachte bereits das 19. Jahrhundert offizielle Verbindungen zwischen den Kirchen von England und Schweden. In Resolution 14 \u00e4u\u00dfert sich die Lambeth Conference von 1888:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThat, in the opinion of this Conference, earnest efforts should be made to establish more friendly relations between the Scandinavian and Anglican Churches; and that approaches on the part of the Swedish Church, with a view to the mutual explanation of differences, be most gladly welcomed, in order to the ultimate establishment, if possible, of the intercommunion on sound principles of ecclesiastical polity\u201d.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Kirche von Schweden ergaben sich im Zuge der Reformation eigene M\u00f6glichkeiten der Leitung, dennoch hielt sie an der Sukzession fest und st\u00e4rkte die bisch\u00f6fliche Tradition, auch weil \u201edie mittelalterlichen Domkapitel erhalten [geblieben waren], so dass kein Bischof sein Amt aufgeben musste und dadurch die so genannte apostolische Sukzession erhalten blieb\u201c;<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a> au\u00dferdem hat der Dialog mit der Kirche von England das Verh\u00e4ltnis Schwedens zum eigenen Episkopat nachhaltig beeinflusst. Schlie\u00dflich ist die \u201ebisch\u00f6fliche Verfassung zu einem der Identit\u00e4tsmerkmale der Kirchen der anglikanischen Gemeinschaft geworden\u201c,<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> zumal der Anglikanismus den Erzbischof von Canterbury neben der Lambeth Conference, dem Anglican Consultative Council (ACC), und dem Anglican Communion Primates\u2019 Meeting zu den vier \u2018Instrumenten der Einheit\u2019 erkl\u00e4rt hat. Die Heilsnotwendigkeit des Episkopats wird dabei von der Leitung der Kirche Christi getrennt wahrgenommen. Die Bedeutung des Bischofs wird nicht sakramental verstanden, seine Funktion ist traditioneller und symbolischer Natur, er gilt als \u201ehuman centre of unity within the local church\u201d.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Anders als die Kirche von England hat sich die Kirche von Schweden eine gewisse Souver\u00e4nit\u00e4t und organisatorische Selbst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber dem Staat bewahrt mit definierter bisch\u00f6flicher Verfassung und einer eigenen Parlamentskammer, dem Riksdag, in der die Bisch\u00f6fe von Amts wegen Mitglieder waren. 2000 wurde die ehemalige Schwedische Staatskirche (1527\u20131999) zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Schweden.<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig historisch und aktuell sind Zusammenschl\u00fcsse zwischen Kirchenpartnern, vereinen zeitgleich Anfang und Ende und stehen in einer Reihe von \u00dcberlegungen, Verhandlungen und Bem\u00fchungen, bevor sie in schriftlicher Fixierung Gestalt nehmen. Anglikaner und Lutheraner im n\u00f6rdlichen Europa glaubten den rechten \u2018Kair\u00f3s\u2019 erkannt zu haben, \u201edie existierenden Vereinbarungen zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu revidieren\u201c (PGF 13). Die PGF ist vorderhand keine Fusion in Richtung \u2018Einheitskirche\u2019, sondern definiert sich als Kirchengemeinschaft, in der sich die Beteiligten verpflichten,<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ean einem gemeinsamen Leben in Sendung und Dienst teilzunehmen, f\u00fcr und miteinander zu beten und Ressourcen zu teilen; [\u2026] die Mitglieder unserer Kirchen zu dem Empfang von sakramentalen und anderen pastoralen Diensten gegenseitig willkommen hei\u00dfen; [\u2026] getaufte Glieder aller unserer Kirchen als Glieder unserer jeweils eigenen zu betrachten; [&#8230;] [und] Personen, die in irgendeiner unserer Kirchen zum Amt des Bischofs, des Priesters oder des Diakons bisch\u00f6flich ordiniert sind, auf Einladung und in \u00dcbereinstimmung mit etwaigen [\u2026] geltenden Vorschriften, zum Dienst in jenem selbigen Amt in der empfangenden Kirche ohne Reordination willkommen zu hei\u00dfen\u201c. (PGF 58b)<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem grundgelegten Kirchenverst\u00e4ndnis ist es die Rolle des Bischofsamtes (\u2018historischer Episkopat\u2019), ebenso die Bewertung des allgemeinen Leitungsamtes (episkop\u00e9) und der Apostolizit\u00e4t, die die PGF letztlich ausmachen. Letztere erfordert \u2013 so Ocho Rios \u2013 besondere Aufmerksamkeit, \u201ebecause it is the key of the progress achieved in the Porvoo agreement.\u201c<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a> \u00d6kumenische Gespr\u00e4che und Vereinbarungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts standen Pate, zudem forderte eine gemeinsame politische Entwicklungsgeschichte Ann\u00e4herungen und Zusammenarbeit. Der Porvoo-Zusammenschluss scheint nicht nur aus theologischer, sondern auch aus kultureller und soziologischer Sicht geradezu folgerichtig. Historisch l\u00e4sst sich auch erkl\u00e4ren, warum die Kirche von D\u00e4nemark, eine der urspr\u00fcnglichen acht Teilnehmerkirchen, das Dokument erst sp\u00e4t unterzeichnet hat oder warum andere Kirchen (wie die ELKL) zwischen Mitglieds- und Beobachterstatus wechselten.<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Peter Lodberg scheint einer zun\u00e4chst (kultur)historischen Betrachtung nicht abgeneigt: \u201eThe North, Norden, consists of Denmark, Finland, Iceland, Norway and Sweden. It is common to speak of the Lutheran churches in these countries as national churches, folk churches or state churches.\u201c<a href=\"#_ftn17\" id=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Christianisierung und Reformation in den nordischen und baltischen L\u00e4ndern waren \u201evon oben und teilweise mit Zwang\u201c<a href=\"#_ftn18\" id=\"_ftnref18\">[18]<\/a> erfolgt, was in heutiger Zeit im Falle Estlands als Beleg f\u00fcr den drastischen R\u00fcckgang am Interesse einer Kirchenzugeh\u00f6rigkeit zu den christlichen Konfessionen gilt, denn dem Christentum haftet dort das Odium der Fremdbestimmung an, es gilt als \u2018Mitbringsel\u2019 der ehemaligen Besatzungsm\u00e4chte. Die Akzeptanz von Fremdherrschaft war den Nordm\u00e4nnern ein Greuel, was eine Erz\u00e4hlung zu best\u00e4tigen wei\u00df: Einem Fremden, der in der Normandie Wikinger nach ihrem Herrn befragt hatte, soll die bezeichnende Antwort gegeben worden sein: \u201ewir haben keinen Herrn, denn wir sind alle gleich\u201c<a href=\"#_ftn19\" id=\"_ftnref19\">[19]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Papst Johannes Paul II., Enzyklika \u2018Ut unum sint\u2019 \u00fcber den Einsatz f\u00fcr die \u00d6kumene, 25. Mai 1995 (VApS 121), 77, zitiert nach: George Augustin, <em>\u00d6kumene als geistlicher Prozess<\/em>, in: Peter Walter\/Klaus Kr\u00e4mer\/George Augustin (Hg.), Kirche in \u00f6kumenischer Perspektive, Freiburg i. Br.\/Basel\/Wien 2003, 522\u2013550, 522.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Kurt Kardinal Koch, <em>Christsein in einem neuen Europa. Provokationen und Perspektiven<\/em>, Fribourg 1992, 117. Zum besseren Sprach- und Lesefluss verwende ich zumeist das generische Maskulinum.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> So wichtig die systematisch-theologische Diskussion um den Begriff \u02bbKirche\u02bc auch ist, verwende ich hier der vereinfachten Darstellung wegen durchgehend den Begriff \u2018Kirche\u2019 auch dann, wenn nach r\u00f6misch-katholischen Verst\u00e4ndnis der Begriff \u2018kirchliche Gemeinschaften\u2019 gefordert w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Michael North,<em> Geschichte der Ostsee. Handel und Kulturen<\/em>, M\u00fcnchen 2011, 9.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Esther-Beate K\u00f6rber,<em> Die Reformation im Ostseeraum als Kommunikations- und Verkehrsereignis<\/em>, in: Nordost-Archiv NF XIII (2004), 15\u201344, 34.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ernst Wolfgang Orth, <em>Anfang und Ende der Kultur. Eine philosophische Problemskizze im Anschluss an Ernst Cassirer<\/em>, in: Volker Steenblock\/Hans-Ulrich Lessing (Hg.), Vom Ursprung der Kultur, Freiburg i. Br.\/M\u00fcnchen 2014, 226\u2013241, 240.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Der englische Dokumentstext: The Porvoo Common Statement, in: David Tustin\/Tore Furberg (Hg.), <em>Together in Mission and Ministry. <\/em><em>The Porvoo Common Statement with Essays on Church and Ministry in Northern Europe<\/em>, London 1993, 6\u201331; als deutsche \u00dcbersetzung wird herangezogen: Die Porvooer Gemeinsame Feststellung, in: Harding Meyer\/Damaskinos Papandreou\/Hans J\u00f6rg Urban\/Lukas Vischer(Hg.), <em>Dokumente wachsender \u00dcbereinstimmung<\/em>, Bd. III: 1990\u20132001, Paderborn\/Frankfurt a. M. 2003, 749\u2013777, 754 [ab hier im Text zitiert als PGF Abschnittsnummer].<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Mary Tanner, <em>The Ecumenical Future<\/em>, in: Stephen Sykes\/John Booty\/Jonathan Knight (Hg.), The Study of Anglicanism,&nbsp; London <sup>5<\/sup>2004, 427\u2013446, 432.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Juhani Forsberg, <em>Luthertum zwischen Leuenberg und Porvoo<\/em>, in: Ahti J\u00e4ntti\/Anke Michler\/Marion Holtkamp (Hg.), Die Evangelischen Kirchen im sich vereinigenden Europa, Berlin 2003, 71\u201388, 85f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Zitiert nach <em>The Lambeth Conference. <\/em><em>Resolutions Archive from 1888<\/em>. &lt;<a href=\"http:\/\/www.anglicancommunion.org\/media\/127722\/1888.pdf\">http:\/\/www.anglicancommunion.org\/ media\/127722\/1888.pdf<\/a>&gt;, 4 (abgerufen am 20.6.2016).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Anders Jarlert, <em>Kontinuit\u00e4t und Aufbruch \u2013 die grundlegenden Phasen der Kirchenreform in den skandinavischen L\u00e4ndern<\/em>, in: KZG 23 (2010), 412\u2013427, 412.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Georg Hintzen, <em>Hinf\u00fchrung<\/em>, in: Ders.\/Wolfgang Th\u00f6nissen, Kirchengemeinschaft m\u00f6glich? Einheitsverst\u00e4ndnis und Einheitskonzepte in der Diskussion, Paderborn 2001, 9\u201316, 11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Frank Theodore Woods\/Frank Weston\/Martin Linton Smith,<em> Lambeth and Reunion. <\/em><em>An Interpretation of the Mind of the Lambeth Conference of 1920<\/em>, London\/New York 1921, 75; ebenso 74: \u201eWhat is said, and what the Lambeth Conference says, is that no visible organic unity of fellowship is possible without union with the bishops of Christ\u2019s Church\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. hierzu Jarlert,<em> Kontinuit\u00e4t und Aufbruch<\/em>, 423: \u201eIm Jahre 2000 wurde eine Ver\u00e4nderung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat vorgenommen, die jedoch die Machtstellung der politischen Parteien in den kirchlichen Organen auf nationaler und regionaler Ebene nicht ver\u00e4ndert hat. Der Staat hat also formell durch ein besonderes Gesetz \u00fcber die Schwedische Kirche und die politischen Parteien informell durch ihre Repr\u00e4sentation in den kirchlichen Organen immer noch viel Einfluss in der Kirche. Von einer [ausdr\u00fccklichen] <em>Trennung zwischen Kirche und Staat<\/em> kann man daher <em>nicht<\/em> sprechen, sondern nur von <em>ver\u00e4nderten Relationen<\/em>\u201c [Hervorhebung d. Vfin.]<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> Martin H. Cressey, <em>Three Games in a Long Ecumenical Set: Leuenberg, Meissen und Porvoo on Ministry and Episcop\u00e9<\/em>, in: Peter C. Bouteneff\/Alan D. Falconer (Hg.), Episcop\u00e9 and Episcopacy and the Quest for Visible Unity, Genf 1999, 122\u2013126, 124. Vgl. auch Ingolf U. Dalferth, <em>Sichtbare Einheit und Bischofsamt<\/em>, in: Ders.\/Paul Oppenheim (Hg.), Einheit bezeugen. Zehn Jahre nach der Meissener Erkl\u00e4rung, Frankfurt a.M. 2003, 198\u2013206; in der Diskussion um Porvoo wird der Begriff episkop\u00e9 h\u00e4ufig mit \u2018Episkopat\u2019 \u2018ersetzt\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Gew\u00f6hnlich wurde die Haltung zur Frauenordination in den Anglikanischen Kirchen Europas von D\u00e4nemark und Lettland als Hindernis zur Unterzeichnung gesehen, wobei die lettische (Inlands-)Kirche in ihrer Synode vom 3.\/4.6.2016 den Antrag angenommen hat, der die Zulassung zur Ordination k\u00fcnftig auf m\u00e4nnliche Bewerber beschr\u00e4nkt; vgl. \u2018Latvian Lutheran church officially bans women\u2019s ordination\u2019. (4.6.2016, abgerufen am 24.8.2016). &lt;http:\/\/www.baltictimes.com\/latvian_lutheran_church_officially_ban_women_s_ordination&gt;. Walter Klaiber, <em>Ut unum sint. Die Enzyklika Papst Johannes Paul II. und ihr \u00f6kumenischer Kontext,<\/em> in: \u00d6R 46 (1997), 35\u201356, 37, sieht dagegen vor allem den \u2018besonderen Stellenwert\u2019, den das Bischofsamt im Sinne der D\u00e4nischen Evangelisch-Lutherischen Volkskirche hat, als urspr\u00fcnglichen Ablehnungsgrund an.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> Peter Lodberg, <em>The Nordic Churches and the Ecumenical Movement<\/em>, in: ER 52 (2000), 139\u2013157, 141.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" id=\"_ftn18\">[18]<\/a> Harm G. Schr\u00f6ter, <em>Geschichte Skandinaviens<\/em>, M\u00fcnchen 2007, 23.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" id=\"_ftn19\">[19]<\/a> Peter Stokholm, <em>D\u00e4nemark<\/em>, Olten\/Freiburg i.Br. <sup>2<\/sup>1987, 25.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Photocredits: 1) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dom_von_Porvoo#\/media\/Datei:Porvoo_Cathedral_01.jpg\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dom_von_Porvoo#\/media\/Datei:Porvoo_Cathedral_01.jpg<\/a>; 2) <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Christ_Pantocrator#\/media\/File:Jesus-Christ-from-Hagia-Sophia.jpg\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Christ_Pantocrator#\/media\/File:Jesus-Christ-from-Hagia-Sophia.jpg<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><strong>RaT-Blog Nr. 4\/2025<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Vera M. Waschb\u00fcsch <\/b>untersucht in diesem ersten Teil ihres dreiteiligen Blogbeitrags die Porvoo-Gemeinsame-Feststellung (PGF) im \u00f6kumenischen Kontext und ihre Bedeutung f\u00fcr den europ\u00e4ischen Protestantismus. Sie beleuchtet die historischen und theologischen Hintergr\u00fcnde dieses Zusammenschlusses zwischen lutherischen und anglikanischen Kirchen in Nordeuropa und diskutiert dessen \u00f6kumenische Reichweite. 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