{"id":822,"date":"2020-06-09T13:36:20","date_gmt":"2020-06-09T13:36:20","guid":{"rendered":"http:\/\/rat-blog.at\/?p=822"},"modified":"2023-07-06T09:48:01","modified_gmt":"2023-07-06T09:48:01","slug":"lehrt-not-beten-klagelieder-als-krisenliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/?p=822","title":{"rendered":"Lehrt Not beten?                             Klagelieder als Krisenliteratur"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_823\" aria-describedby=\"caption-attachment-823\" style=\"width: 349px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-823\" src=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce.jpg\" alt=\"1967-678~Stone Stele Shrine of the Stelae Hazor 15th-13th c BCE\" width=\"349\" height=\"661\" srcset=\"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce.jpg 845w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce-158x300.jpg 158w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce-541x1024.jpg 541w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce-768x1454.jpg 768w, https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1967-678stone-stele-shrine-of-the-stelae-hazor-15th-13th-c-bce-811x1536.jpg 811w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-823\" class=\"wp-caption-text\">Zum Gebet erhobene H\u00e4nde auf einer Basaltstele im sp\u00e4tbronzezeitlichen Heiligtum in Hazor.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Marianne Grohmann<\/strong> widmet sich in der gegenw\u00e4rtigen Krise einer klassischen Vorlage von Krisenliteratur: den Klageliedern.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eIn der gegenw\u00e4rtigen Krise suchen viele Menschen das Gebet, oft wissen sie aber nicht so recht, wo und wie sie es finden k\u00f6nnen\u201c \u2013 so beginnt Kurt Appel seinen Blog-Beitrag \u201eAuf der Suche nach dem Gebet\u201c (10. April 2020).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eNot lehrt beten\u201c, hei\u00dft es. Stimmt das? Macht die gegenw\u00e4rtige, weltweite Krise nicht eher sprachlos, verst\u00f6rt und hilflos? Ist das Gebet eine passende Form, um in der Krise sprachf\u00e4hig zu bleiben? Ein Ort, an dem vorformulierte Gebete gefunden werden k\u00f6nnen, ist die Bibel. Ein Text klassischer Krisenliteratur sind die Klagelieder.<\/p>\n<p>Das Buch der Klagelieder (auch<em>\u02be\u00cak\u0101h<\/em>, <em>Threni<\/em> oder <em>Lamentationes <\/em>genannt) wurde in der Tradition dem Propheten Jeremia zugeschrieben. Im Judentum hat es einen festen Sitz im liturgischen Leben: Jedes Jahr am 9. Av (im Juli\/August) wird es zur Erinnerung an die Zerst\u00f6rung des ersten Tempels durch die Babylonier 586 v. d. Z., des zweiten Tempels durch die R\u00f6mer 70 n. d. Z., sowie zum Gedenken an weitere Krisen und Katastrophen in der j\u00fcdischen Geschichte, bis hin zum Holocaust, gelesen. Die Klagelieder verarbeiten eine konkrete historische Krise, die Zerst\u00f6rung der Stadt Jerusalem und des Tempels. Wie in vielen anderen biblischen Texten haben Menschen hier ihre Krisenerfahrungen vor mehr als 2500 Jahren in Worte gefasst.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Haben diese Texte \u2013 \u00fcber ihren konkreten historischen Entstehungskontext und ihre Rezeption in der j\u00fcdischen Liturgie hinaus \u2013 das Potential, in unterschiedlichen Krisenzeiten immer wieder neu gelesen zu werden?<\/p>\n<p><strong>Krisenpoesie: Ordnung im Chaos<\/strong><\/p>\n<p>Die Klagelieder sind f\u00fcnf zun\u00e4chst unabh\u00e4ngig voneinander entstandene anonyme Gedichte. Vier von ihnen sind als alphabetische Akrosticha gestaltet: jede Strophe beginnt in fortlaufender Reihenfolge mit dem n\u00e4chsten Buchstaben des Alphabets. Beim 3., mittleren Lied ist die Form noch gesteigert, indem jeweils 3 Zeilen mit demselben Buchstaben beginnen. Das 5. Lied ist zwar kein Akrostichon, die Verszahl entspricht aber der Anzahl der Buchstaben des hebr\u00e4ischen Alphabets. Diese \u00e4u\u00dfere sprachliche Form bietet einen Rahmen. Auch wenn die Welt rundherum in Tr\u00fcmmer zerbricht, gibt das Alphabet eine gewisse Ordnung im Chaos vor, an der man sich beim Lesen oder Rezitieren festhalten kann.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Stadt-Frau als Identifikationsfigur<\/strong><\/p>\n<p>Eine spezielle Form der poetischen Sprache in den Klageliedern ist der Stimmenwechsel: Verschiedene Perspektiven auf die Zerst\u00f6rung Jerusalems und des Tempels werden in unterschiedlichen Stimmen \u2013 im w\u00f6rtlichen Sinn des Wortes \u2013 \u201everk\u00f6rpert:\u201c Jerusalem spricht selbst als personifizierte Stadtfrau (Klgl 1), ein anonymer Mann in Klgl 3, sowie Einzel- und Wir-Stimmen bringen im Wechsel unterschiedliche Perspektiven auf das pers\u00f6nliche und gleichzeitig gemeinschaftliche Leiden zum Ausdruck. Der einzelne Mensch ist gleichzeitig als Individuum und als Teil der Bev\u00f6lkerung der Stadt im Blick.<\/p>\n<p>In Aufnahme der Tradition mesopotamischer Stadtklagen veranschaulicht das Bild der einsamen, ihres Mannes und ihrer Kinder beraubten Frau, der Tochter Zion in Klgl 1 und 2 die Zerst\u00f6rung der Stadt Jerusalem und die Vertreibung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Gleichzeitig klingen auch Stadtgottheiten an. Klgl 1 setzt in V. 1 mit einer Klage \u00fcber die als Frau personifizierte Stadt Jerusalem ein:<\/p>\n<p>Ach, wie sitzt sie einsam da, die einst volkreiche Stadt!<br \/>Sie wurde zur Witwe, die Gro\u00dfe unter den Nationen.<br \/>Die F\u00fcrstin \u00fcber die Provinzen wurde zur Fronarbeiterin.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In drei Gegensatzpaaren wird die fr\u00fchere Situation mit der leidvollen Gegenwart kontrastiert: Der einst V\u00f6lkerreichen, der F\u00fcrstin unter den Provinzen, wird die Einsame, Witwe und Fronarbeiterin gegen\u00fcbergestellt. Sie \u201esitzt\u201c oder \u201eliegt\u201c einsam da, sie \u201ewurde zur Fronarbeiterin.\u201c Die Titel <em>rabb\u0101h<\/em> (\u201edie gro\u00dfe [Stadt]\u201c) und <em>s\u0101r\u0101h <\/em>(\u201eF\u00fcrstin\u201c) f\u00fcr Jerusalem sind Ehrentitel, die im Alten Orient auch G\u00f6ttinnen zukommen: In Darstellungen der Schutzg\u00f6ttin mit Mauerkrone dr\u00fcckt sich die N\u00e4he von Stadt und Stadtg\u00f6ttin aus. Religionsgeschichtlich l\u00e4sst sich die weibliche Personifizierung der Stadt auf die westsemitische Tradition einer Stadtg\u00f6ttin oder der Frau eines Schutzgottes der Stadt zur\u00fcckf\u00fchren, die auch Titel wie \u201eMutter\u201c, \u201eTochter\u201c oder \u201eJungfrau\u201c haben kann. Diese Titel f\u00fcr Jerusalem haben zum Teil \u00dcberschneidungen mit den unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen der Stadt, die genannt werden. Diese decken \u00fcber die genannten weiblichen Gruppen hinaus alle sozialen Schichten und Altersstufen ab, auch junge M\u00e4nner, die \u00c4ltesten, Priester, S\u00e4uglinge, Kleinkinder etc.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Wenn es z.B. in Klgl 2,8 hei\u00dft, dass Gott \u201eHeer und Mauer in Trauer gest\u00fcrzt hat,\u201c dann schillert der Text bewusst zwischen der Stadt als Ort mit Toren, Geb\u00e4uden, Mauern und Stra\u00dfen sowie ihren Einwohnerinnen und Einwohnern.<\/p>\n<p>Die Personifizierung Jerusalems als Tochter Zion, Jungfrau Tochter Juda etc. in den Klageliedern hebt die Beziehungsebene zwischen Gott, Volk und Stadt hervor, die gest\u00f6rt ist und wiederhergestellt werden soll. Sie st\u00e4rkt die emotionale Dimension der Beziehung zu Jerusalem als Ort und hat die Funktion, die Hoffnung auf einen Wiederaufbau zu wecken.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><strong>Ausdrucksweisen der Klage<\/strong><\/p>\n<p>Die Klage ist im Alten Orient nicht nur etwas pers\u00f6nlich-Individuelles, sondern ein \u00f6ffentlich sichtbarer Vorgang. Das \u201eSeufzen\u201c und \u201eSt\u00f6hnen\u201c (<em>\u02bcn\u1e25<\/em>), sonst ein seltenes Verb, hat in Klgl 1 Leitwortfunktion, jeweils mit unterschiedlichen Subjekten: Priester (V. 4), Zion (V. 8), ihre Bewohner (V. 11), \u201eich\u201c \/ Jerusalem selbst (V. 21\u201322). Pers\u00f6nlicher Schmerz wird in Klagegesten und -riten verarbeitet, die sich z.\u00a0B. in Klgl 2,10 widerspiegeln:<\/p>\n<p>Die \u00c4ltesten der Tochter Zion sitzen auf der Erde und schweigen.<br \/>Sie haben Staub auf ihren Kopf gestreut und Trauergew\u00e4nder umgebunden.<br \/>Die Jungfrauen von Jerusalem haben ihren Kopf zur Erde gebeugt.<\/p>\n<p>Die Klagelieder sind Gedichte, poetische Texte: In ihrer Mehrdeutigkeit laden sie dazu ein, immer wieder neue Sinndimensionen zu suchen. An manchen Stellen fordern sie explizit zum Gebet auf, z. B. Klgl 2,19:<\/p>\n<p>Steh auf, schreie (<em>ronn\u00ee<\/em>) in der Nacht, zu Beginn der Nachtwachen,<br \/>sch\u00fctte wie Wasser dein Herz aus vor dem Angesicht Adonajs!<br \/>Erhebe deine H\u00e4nde zu ihm um des Lebens (<em>n\u00e6p\u00e6\u0161<\/em>) deiner Kleinkinder willen,<br \/>die vor Hunger verschmachten an allen Stra\u00dfenenden!<\/p>\n<p>Der auktoriale Sprecher fordert Jerusalem zur Klage und zum Gebet auf: Das Wort, das hier f\u00fcr das Klagegeschrei verwendet wird (<em>rnn<\/em>), bedeutet lautes Rufen und Schreien, sonst oft in Form von Jubel (Lev 9,25; Jes 12,6). Das Aussch\u00fctten des Herzens ist ein Vorgang, Inneres, Emotionen und Gedanken nach au\u00dfen und vor Gott zu bringen. Das Erheben der H\u00e4nde ist eine im Alten Testament und im Alten Orient weit verbreitete Gebetsgeste (vgl. z.\u00a0B. Klgl 3,41; Ps 28,2). Die H\u00e4nde sollen die Verbindung zwischen Mensch und Gott herstellen. Es geht um die <em>n\u00e6p\u00e6\u0161<\/em> in einem sehr umfassenden Sinn: die Seele, \u00a0das Leben, \u00a0die Vitalit\u00e4t der Kinder.<\/p>\n<p><strong>Beten mit K\u00f6rper und Seele<\/strong><\/p>\n<p>Nach Klgl 1 trifft die Not Jerusalem in Mark und Bein und dar\u00fcber hinaus in ihrem ganzen K\u00f6rper. Die personifizierte Stadtfrau Jerusalem spricht selbst, zum Teil in Form von an Gott (JHWH \/ Adonaj) gerichteten Gebeten, wie z.\u00a0B. in Klgl 1,20\u201322:<\/p>\n<p>20 Sieh, JHWH, dass mir eng ist. Mein Inneres gl\u00fcht in Aufruhr.<br \/>Mein Herz dreht sich in meinem Inneren um, denn ich bin sehr in Aufruhr.<br \/>Drau\u00dfen beraubt mich das Schwert der Kinder, im Haus ist es wie tot.<br \/>21 Sie haben geh\u00f6rt, dass ich seufze. Da ist keiner, der mich tr\u00f6stet. [\u2026]<br \/>22 Denn zahlreich sind meine Seufzer, und mein Herz ist krank.<\/p>\n<p>In diesem Gebet der als Frau personifizierten Stadt Jerusalem werden Leid und Schmerz in ihren k\u00f6rperlichen und seelischen Dimensionen entfaltet. Das \u201eHerz\u201c ist im Menschenbild der Hebr\u00e4ischen Bibel Zentrum des Menschen in einem sehr umfassenden Sinn: Sitz des Denkens, F\u00fchlens, Wollens und Planens.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Wie in vielen Klagepsalmen eines\/r Einzelnen (vgl. z. B. Ps 6; 102) verdichtet sich hier die Notschilderung in K\u00f6rpersprache. Emotionen, Vorg\u00e4nge im Inneren des Menschen werden drastisch geschildert: Die \u201eEnge\u201c (w\u00f6rtlich: \u201eEingeschn\u00fcrtsein\u201c) beinhaltet sowohl r\u00e4umliche Enge, Bedr\u00e4ngnis durch Feinde als auch ein Gef\u00fchl von Beklemmung und Angst. Das \u201eInnere\u201c meint einerseits die Eingeweide, die inneren Organe, und andererseits den Bauchraum als Sitz von Emotionen. Die Eingeweide sind \u201eSeismographen des Gef\u00fchls.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Mit der Enge und der bildlichen Schilderung \u201emein Inneres gl\u00fcht in Aufruhr\u201c wird ein sehr umfassendes Bild von Schmerz gezeichnet, in dem sich physische Aspekte nicht von psychischen trennen lassen.<\/p>\n<p>Auch \u00e4u\u00dfere Vorg\u00e4nge werden in das Gebet einbezogen: Dass sich das Herz im Inneren umdreht, ist nicht nur ein Vorgang von innerlicher Aufruhr, sondern weist auch auf die Zerst\u00f6rung der Stadt hin.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Diese Beschreibungen von inneren k\u00f6rperlichen und seelischen Zust\u00e4nden stehen in unmittelbarer Korrelation zu Vorg\u00e4ngen im Au\u00dfen: Die Bedr\u00e4ngnis durch die Feinde (V. 7) hat Konsequenzen im innerlich erfahrenen Zustand von Enge und Angst. Der Aufruhr im Inneren des K\u00f6rpers hat ein Pendant im Gegensatz von \u201edrau\u00dfen\u201c und \u201eim Haus\u201c, bezogen auf die Stadt Jerusalem. \u201eDrau\u00dfen\u201c oder \u201evon au\u00dfen\u201c w\u00fctet das Schwert und \u201eberaubt\u201c die Menschen der Kinder \/ macht sie kinderlos, \u201eim Haus\u201c \/ im Inneren herrscht der Tod. Am Schluss bleiben zahlreiche Seufzer und die Krankheit des Herzens.<\/p>\n<p><strong>Erinnerung an bessere Zeiten<\/strong><\/p>\n<p>In den altorientalischen Totenklagen wird h\u00e4ufig das gegenw\u00e4rtige Elend fr\u00fcherem Glanz gegen\u00fcbergestellt. \u00c4hnlich passiert das auch in den Klageliedern. Wie im bereits zu Beginn genannten Text die fr\u00fchere Bedeutung der Stadt Jerusalem der jetzigen Not gegen\u00fcbergestellt wird, \u2013 von der F\u00fcrstin zur Fronarbeiterin; von der fr\u00fcher V\u00f6lkerreichen zur Einsamen (Klgl 1,1) \u2013 so geschieht das in \u00e4hnlicher Weise z.\u00a0B. auch in Klgl 1,7:<\/p>\n<p>Jerusalem erinnert sich (<em>zkr<\/em>) in den Tagen ihres Elends und ihrer Heimatlosigkeit<br \/>an alle ihre Sch\u00e4tze (<em>ma\u1e25m\u00fbd\u00e6h\u0101<\/em>) aus den Tagen der Vorzeit.<\/p>\n<p>In der gegenw\u00e4rtigen Situation von umfassendem Elend und Heimatlosigkeit wird die personifizierte Stadt als eine dargestellt, die sich an bessere Zeiten erinnert. In den \u201eSch\u00e4tzen\u201c oder \u201eKostbarkeiten\u201c (<em>ma\u1e25m\u00fbd\u00e6h\u0101<\/em>) klingen die Tempelsch\u00e4tze an (vgl. Klgl 1,10.11; 2 Chr 26,19), gleichzeitig auch das Begehrenswerte (<em>\u1e25md<\/em>) der Stadt als Frau. Mehrmals wird in den Klageliedern an fr\u00fchere Pracht (Klgl 1,6) und vergangene Festfreude (Klgl 2,6) erinnert, vgl. Klgl 1,4: \u201eDie Wege Zions\u00a0\/\u00a0die Wege nach Zion trauern ohne die, die zum Fest kommen.\u201c Die Erinnerung an das Gute in der Vergangenheit, das Schema Einst und Jetzt, ist ein typisches Merkmal der Totenklage. \u00dcber die Erinnerung wird kollektive Identit\u00e4t hergestellt. Das kollektive Ged\u00e4chtnis kristallisiert sich in der personifizierten Stadt.<\/p>\n<p><strong>Wo ist Gott? \u2013 Erfahrungen der Gottferne<\/strong><\/p>\n<p>Die Krise macht sprachlos. Es bleiben Seufzen, Klagen und Weinen als Ausdrucksformen des Leidens. \u201eFern von mir ist ein Tr\u00f6ster\u201c hei\u00dft es in Klgl 1,16, \u201eda ist keiner, der mich tr\u00f6stet\u201c in Klgl 1,21 (vgl. auch Klgl 1,2.9.17). Gott wird \u2013 wie in den Klagepsalmen (z.\u00a0B. Ps 22) \u2013 in der Katastrophe als fern und abwesend erlebt. Gott hat die Stadt vergessen (Klgl 2,1). Das individuelle und kollektive Leiden wird dadurch noch drastischer, dass Gott nicht nur als fern wahrgenommen wird, sondern zus\u00e4tzlich auch noch als sein Verursacher dargestellt wird, als aktiver Zerst\u00f6rer und Feind, z.\u00a0B. in Klgl 1,12\u201313:<\/p>\n<p>12 Euch bedeutet es nichts, die ihr auf dem Weg vor\u00fcberzieht.<br \/>Schaut her und seht, ob es einen Schmerz gibt wie den Schmerz,<br \/>der mir zugef\u00fcgt worden ist, mit dem JHWH mich in Kummer gest\u00fcrzt hat<br \/>am Tag seines gl\u00fchenden Zorns.<br \/>13 Aus der H\u00f6he hat er Feuer in meine Knochen geschickt, und dann zertrat er sie.<br \/>Meinen F\u00fc\u00dfen hat er ein Netz gelegt, er hat mich zur\u00fcckgedr\u00e4ngt,<br \/>mich verw\u00fcstet, er hat mich krank gemacht f\u00fcr alle Zeit.<\/p>\n<p>Das an solchen Stellen zum Ausdruck kommende Gottesbild ist f\u00fcr uns heute schwer verst\u00e4ndlich. Solche Gewaltschilderungen gehen zum Teil an die Grenzen des Ertr\u00e4glichen, insbesondere dadurch, dass die Gewalt nicht nur als menschliche Realit\u00e4t, sondern als von Gott ausgehend dargestellt wird. V.\u00a0a. Klgl 2 ist eine durchgehende Anklage Gottes, in der Gewalt nicht nur den Feinden, sondern auch Gott zugeschrieben wird.<\/p>\n<p>Diese Schilderungen von g\u00f6ttlicher Gewalt bleiben f\u00fcr ein zeitgem\u00e4\u00dfes Gottesbild anst\u00f6\u00dfig, aber sie werden vielleicht vor ihrem altorientalischen Hintergrund zumindest erkl\u00e4rbar: Das Motiv, dass die Gottheit ihre Stadt nicht ausreichend besch\u00fctzt und sie deshalb untergeht, hat \u2013 allerdings viel \u00e4ltere \u2013 Parallelen in den altorientalischen Stadtuntergangsklagen. Diese f\u00fchren die Zerst\u00f6rung von St\u00e4dten auf unerkl\u00e4rliche Entscheidungen von Gottheiten zur\u00fcck. Die Verantwortung wird in den Stadtuntergangsklagen auf mehrere Gottheiten aufgeteilt: Die Stadtgottheiten k\u00f6nnen ihre Stadt nicht sch\u00fctzen, weil h\u00f6herstehende Gottheiten ihren Untergang beschlossen haben. In der Hebr\u00e4ischen Bibel \u00fcbernimmt JHWH beide Funktionen, sowohl die eines m\u00e4chtigen Gottes, der f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Stadt verantwortlich gemacht wird, als auch die der sch\u00fctzenden Stadtg\u00f6ttin, die um Hilfe angerufen wird. Weit verbreitete Gestaltungselemente, die sich auch in den Klageliedern finden, sind z.\u00a0B. der Zorn der Gottheit und die Vernichtung durch Feuer und Sturm.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Rede vom Zorn Gottes ist ein verzweifelter Aufschrei, ein Versuch, eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Not zu finden.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Intention dieser Texte ist es, JHWH als m\u00e4chtig zu zeigen, sogar als Herrn (Adonaj) \u00fcber den Untergang, um auch in der Niederlage an der Vorstellung von der Macht Gottes festhalten zu k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Menschliches Leiden wird also letztlich in den Klageliedern wie in der Hebr\u00e4ischen Bibel insgesamt auf Gott zur\u00fcckgef\u00fchrt. Gott wird f\u00fcr die menschliche Not verantwortlich gemacht. Beklagt wird eine Situation, in der JHWH entweder in weite Ferne ger\u00fcckt ist oder selbst hinter der Gewalt der Feinde steht. Anders als in den altorientalischen Parallelen sehen manche Klagelieder den Grund daf\u00fcr, dass Gott auf die Seite der Feinde gewechselt hat, im Verhalten der Menschen.<\/p>\n<p><strong>Vom Gedicht zum Gebet \u2013 Gott als Adressat der Klage<\/strong><\/p>\n<p>Wie in den Klagepsalmen wird Gott in den Klageliedern zwar f\u00fcr die menschliche Not verantwortlich gemacht, aber trotzdem als Adressat der Klage angerufen und um Hilfe gebeten. Mehrmals wird JHWH zum Sehen und genauen Hinschauen aufgefordert (Klgl 1,9.11.20; 2,10), so z.\u00a0B. in Klgl 1,9: \u201eSieh dir, JHWH, mein Elend an, der Feind ist gro\u00df geworden!\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn die Klagelieder wenig Trost zu bieten haben, liegt zumindest im Aussprechen der Not vielleicht ein erster Schritt in Richtung ihrer \u00dcberwindung. \u201eJerusalem erinnert sich\u201c (Klgl 1,7) \u2013 das Stichwort <em>zkr<\/em> kommt in diesem Zusammenhang \u00f6fter vor. Es umschreibt einen Erinnerungs- und Klagevorgang zur Bew\u00e4ltigung der Katastrophe. Der Text will trotz aller Not zum Gebet hinf\u00fchren und dazu auffordern, Gott als Ansprechpartner f\u00fcr das Leiden anzusehen. Gott ist Adressat der Klage und des Hilferufes, ihm wird das Leid geklagt. Menschliche Not hat im Gebet, in der Klage einen Ort. Nicht nur Jerusalem und ihre Bewohnerinnen und Bewohner werden zum Erinnern aufgerufen, sondern auch Gott wird dazu aufgefordert, die Ferne aufzugeben und sich wieder an die Stadt und die Menschen zu erinnern (Klgl 3,19).<\/p>\n<p>Klgl 3,20\u201321, aus dem als Rede eines Mannes gestalteten \u2013 im Vergleich mit Lied 1, 2 und 4 etwas j\u00fcngeren \u2013 Lied,<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> beschreibt eine Art Schl\u00fcsselstelle f\u00fcr die Intention der Klagelieder:<\/p>\n<p>20 Meine Seele (<em>n\u00e6p\u00e6\u0161<\/em>) erinnert sich (<em>zkr<\/em>) immer daran und ist niedergedr\u00fcckt in mir.<br \/>21 Das will ich mir zu Herzen nehmen, und darauf will ich hoffen.<\/p>\n<p>Der Text beschreibt den \u00dcbergang vom schmerzhaften Erinnern (<em>zkr<\/em>) an die Not der Vergangenheit zur R\u00fcckerinnerung an die noch davor liegende Gnade Gottes. Er fordert dazu auf, sich trotz aller gegenw\u00e4rtigen Gewalt an das davor liegende Erbarmen Gottes zu erinnern. Der Zorn Gottes wird als vor\u00fcbergehende Phase dargestellt.<\/p>\n<p>Die Verbalisierung von Leidenserfahrungen in einer Bedrohungssituation ist ein erster Schritt der Bearbeitung von \u00c4ngsten und N\u00f6ten.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Das Gottesbild der Klagelieder verbindet gewaltvolle und barmherzige Seiten: Der Appell an Gott, genau hinzusehen und sich wieder an sein Volk zu erinnern, hat nur Sinn, wenn von Gott nicht nur Gewalt, sondern auch Erbarmen und Trost erhofft werden.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Auch wenn die Klagelieder wenig Hoffnungsperspektiven zu bieten haben, zeigen sie zumindest erste Schritte von Krisenbew\u00e4ltigung auf: Aussprechen von Leidenserfahrungen, Erinnerung an bessere Zeiten, Klage und Gebet.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Titelbild-Copyright: Israel Museum, Jerusalem.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <em>Kurt Appel<\/em>, Auf der Suche nach dem Gebet, in: <a href=\"https:\/\/rat-blog.at\/2020\/04\/10\/auf-der-suche-nach-dem-gebet\/\">https:\/\/rat-blog.at\/2020\/04\/10\/auf-der-suche-nach-dem-gebet\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 28.5.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Regina Polak schreibt, dass \u201edie Texte der Heiligen Schrift nahezu durchg\u00e4ngig im Kontext von Katastrophen und Krisen verfasst wurden\u201c vgl. <em>Regina Polak<\/em>, Krise? Eine kleine Ph\u00e4nomenologie der Krise, in: <a href=\"https:\/\/theocare.wordpress.com\/2020\/05\/25\/krise-eine-kleine-phanomenologie-der-krise-regina-polak\/\">https:\/\/theocare.wordpress.com\/2020\/05\/25\/krise-eine-kleine-phanomenologie-der-krise-regina-polak\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 28.5.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. <em>Else K. Holt<\/em>, Daughter Zion: Trauma, Cultural Memory and Gender in OT Poetics, in: Eve-Marie Becker et al. (ed.), Trauma and Traumatization in Individual and Collective Dimensions. Insights from Biblical Studies and Beyond (Studia Aarhusiana Neotestamentica 2), G\u00f6ttingen 2014, 162\u2013176: 171: \u00a0\u201cIt takes reading to acknowledge and recognize the form that is so important for conveying the message of Lamentations; that of assurance and \u2018order amid chaos.\u2019\u201d<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00dcbersetzungen der Bibeltexte aus dem Hebr\u00e4ischen durch die Autorin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. <em>Adele Berlin<\/em>, Lamentations. A Commentary (Old Testament Library), Louisville \/ London 2002, 13\u201315.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. <em>Christl Maier<\/em>, Lost Space and Revived Memory. From Jerusalem in 586 B.C.E. to New Orleans in 2009, in: Brad Kelle et al. (ed.), Interpreting Exile. Displacement and Deportation in Biblical and Modern Contexts (Ancient Israel and its Literature), Atlanta 2011, 189\u2013201: 192.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl.<em> Klaus Koenen<\/em>, Klagelieder (Threni) (Biblischer Kommentar zum Alten Testament 20), Neukirchen-Vluyn 2014-2015, 86\u201387; <em>Bernd Janowski<\/em>, Anthropologie des Alten Testaments. Grundfragen \u2013 Kontexte \u2013 Themenfelder, T\u00fcbingen 2019, 148\u2013155.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> <em>Silvia Schroer<\/em> \/ <em>Thomas Staubli<\/em>, Die K\u00f6rpersymbolik der Bibel, G\u00fctersloh <sup>2<\/sup>2005, 55.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. <em>Klaus Koenen<\/em>, Klagelieder (s. Anm. 7), 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. <em>Ulrich Berges<\/em>, Klagelieder (Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament), Freiburg et al. 2002, 46\u201352.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. <em>Klaus Koenen<\/em>, Klagelieder (s. Anm. 7), 95.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. <em>Klaus Koenen<\/em>, Klagelieder (s. Anm. 7), 105f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. <em>Christian Frevel<\/em>, Die Klagelieder (Neuer Stuttgarter Kommentar, Altes Testament 20\/1), Stuttgart 2017, 43\u201344.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Was <em>Erich Zenger<\/em>, Ein Gott der Rache? Feindpsalmen verstehen, in: <em>ders<\/em>., Psalmenauslegungen 4, Freiburg et al. 2003, 7, zu den sog. \u201eFeindpsalmen\u201c sagt, gilt auch f\u00fcr die Klagelieder.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. <em>Christian Frevel<\/em>, Die Klagelieder (s. Anm. 13), 192f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. <em>Marianne Grohmann<\/em>, Anthropologische und theologische Dimensionen des Leidens in den Klageliedern der Hebr\u00e4ischen Bibel, in: Theologisch-Praktische Quartalschrift 168\/2020, 22\u201331.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Rat-Blog Nr. 8\/2020<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Grohmann widmet sich in der gegenw\u00e4rtigen Krise einer klassischen Vorlage von Krisenliteratur: den Klageliedern.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":823,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,137,161,139,145,150],"tags":[43,51,190,191,106,110,111],"ppma_author":[345],"class_list":["post-822","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-christentum","category-gender","category-judentum","category-literatur","category-theologie","tag-heilige-schriften","tag-judentum","tag-kunst","tag-literatur-und-aesthetik","tag-spiritualitaet-und-gebet","tag-theologie","tag-tod-und-trauer","eq-blocks"],"authors":[{"term_id":345,"user_id":0,"is_guest":1,"slug":"marianne-grohmann","display_name":"Marianne Grohmann","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/?s=96&d=mm&r=g","author_category":"","user_url":"","last_name":"Grohmann","first_name":"Marianne","job_title":"","description":"Univ.-Prof. Dr. Marianne Grohmann ist Universit\u00e4tsprofessorin f\u00fcr Altes Testament am Institut f\u00fcr Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Arch\u00e4ologie der Evangelisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien."}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=822"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3503,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822\/revisions\/3503"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=822"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/rat-blog.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fppma_author&post=822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}